ADLER Group (ADLER Group SA, ADLER Real Estate AG, Accentro Real Estate AG, Consus Real Estate AG)

Der Immobilienkonzern ADLER Group wird derzeit mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Derzeit untersucht die Finanzaufsicht BaFin die Bücher von Adler. Die Behörde hatte sich eingeschaltet, nachdem die Immobiliengesellschaft im Oktober ins Visier des Leerverkäufers Fraser Perring geraten war. Perring und sein Researchdienst Viceroy hatten schwere Vorwürfe gegen Adler erhoben - darin ging es unter anderem um die Bewertung von Immobilienprojekten. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen, musste aber bereits erhebliche Abschreibungen vornehmen, weitere erwartet der Konzern nun bei der Tochtergesellschaft Consus.

Die Adler Real Estate AG hat am 29.04.2022 bekanntgegeben, dass die Abschlussprüferin KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nach Beendigung der Abschlussprüfung einen Versagungsvermerk für den Konzernabschluss und Einzelabschluss 2021 erteilen werde.

KPMG kritisierte vor allem, dass Adler den Wirtschaftsprüfern Zugang zu bestimmten Informationen verweigert habe. Deshalb lasse sich kein abschließendes Urteil zur Bilanz fällen, schrieb das Handelsblatt in einer Analyse.

Die BaFin wertet derzeit Informationen aus einem Sonderbericht der Wirtschaftsprüfer KPMG aus, die Adler zuletzt das Testat für den Jahresabschluss 2021 verweigert hatten.

Die BaFin prüft derzeit auch die Kursentwicklung von Adler sowie einen möglichen Insiderhandel. Die Aktie stand nach dem verweigerten Testat an der Börse massiv unter Druck.

Die Adler Group hat ihren Jahresabschluss sodann ohne den Bestätigungsvermerk vorgelegt. Der Verlust betrug 1,17 Milliarden Euro. Besonders die Tochter Consus Real Estate hatte die Geschäftszahlen von Adler schwer belastet, teilte Adler mit. Aufgrund massiver Verluste musste nun auch der Projektentwickler Consus Real Estate Wertberichtigungen vornehmen. Wie die Adler-Tochter am 17. Mai 2022 mitteilte, müssen „Abschreibungen auf Beteiligungen und Ausleihungen an verbundenen Unternehmen vorgenommen“ werden. Der Kurs der Adler Group ging daraufhin erneut in die Knie.

Die BaFin durchleuchtet derzeit die Adler-Bilanzen. Bislang ist hierzu laut Bericht der FAZ vom 11.5.2022 noch kein Ergebnis bekannt geworden. Die Finanzaufsicht soll nun auch untersuchen, ob Insiderhandel bei der jüngsten Kursentwicklung von Adler eine Rolle gespielt habe. Wie anschließend berichtet wurde, gibt es weitere schwere Vorwürfe: Transaktionen mit nahestehenden Personen und deren Bereicherung, unzutreffende Bewertung der Wohnimmobilien und eine irreführende Bewertung des Projekt- und Entwicklungsportfolios.

Am 17. Mai 2022 hat die ADLER Real Estate AG bekannt gegeben, dass die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nicht als Abschlussprüferin für den Jahres- und Konzernabschluss der Gesellschaft für das Geschäftsjahr 2022 zur Verfügung stehen wird.

Ob es sich womöglich um den nächsten großen Bilanzmanipulationsskandal nach Wirecard handelt, bleibt abzuwarten. Auch dort warf ein Shortseller dem Unternehmen Bilanzmanipulation vor. Ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen kontrollierte die Bilanzen von Wirecard, bekam jedoch nicht alle Unterlagen zur Verfügung gestellt und der Skandal nahm seinen Lauf.

Betroffene Anleger (Aktionäre und Anleihegläubiger) sollten jedenfalls dringend anwaltlichen Rechtsrat einholen und ihre Schadensersatzansprüche geltend machen.

Betroffene Aktien:

ADLER Group SA (WKN: A14U78)
ADLER Real Estate AG (WKN: 500800)
Accentro Real Estate AG (WKN: A0KFKB)
Consus Real Estate AG (WKN: A2DA41)

Betroffene Anleihen:

ADLER Group S.A. EO-Notes 2017 (2017/2024) (WKN: A19L3U)
ADLER Group S.A. EO-Exch. Bonds 2018 (2018/2023) (WKN: A2RUD7)
ADLER Group S.A. EO-Notes 2020 (2020/2025) (WKN: A280V1)
ADLER Group S.A. EO-Notes 2020 (2020/2026) (WKN: A28357)
ADLER Group S.A. EO-Notes 2021 (2021/2029) (WKN: A287MT)
ADLER Group S.A. EO-Notes 2021 (2021/2026) (WKN: A287MU)
ADLER Group S.A. EO-Medium-T. Notes 2021 (2021/2027) (WKN: A3KP7A)
ADLER Real Estate AG Anleihe 2017 (2017/2024) (WKN: A2G8S3)
ADLER Real Estate AG Anleihe 2018 (2018/2023) (WKN: A2G8WY)
ADLER Real Estate AG Anleihe 2018 (2018/2026) (WKN: A2G8WZ)

Accentro Real Estate AG Anleihe 2020 (2020/2023) (WKN: A254YS)
Accentro Real Estate AG Anleihe 2021 (2021/2026) (WKN: A3H3D5)

Consus Real Estate AG Anleihe 2017 (2017/2024) (WKN: A2GSGE)
Consus Real Estate AG Wandelschuldverschreibung (2017/2022) (WKN: A2G9H9)


Update 22.06.2022

BAFin ordnet Prüfung des gebilligten Konzernabschlusses zum Abschlussstichtag 31.12.2021 und des zusammengefassten Lageberichts für das Geschäftsjahr 2021 an

Mit Bescheid vom 17.06.2022 hat die BAFin nun eine Prüfung des gebilligten Konzernabschlusses zum Abschlussstichtag 31.12.2021 und des zusammengefassten Lageberichts für das Geschäftsjahr 2021 der ADLER Real Estate Aktiengesellschaft gemäß § 107 Absatz 1 Satz 1 WpHG angeordnet. Grund für die Anordnung sind laut Veröffentlichung der BAFin insbesondere erstens Anhaltspunkte dafür, dass Beziehungen und Geschäftsvorfälle aus diesem Jahr oder früheren Jahren mit nahestehenden Personen oder Unternehmen im Sinne des International Accounting Standard (IAS) 24 in der Konzernrechnungslegung möglicherweise nicht vollständig und richtig erfasst und abgebildet worden sind; und zweitens der Versagungsvermerk des Konzernabschlussprüfers, die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, für den Konzernabschluss zum 31.12.2021 und den zusammengefassten Lagebericht für das Geschäftsjahr 2021.Die Bilanzkontrollprüfungen in Bezug auf die Abschlüsse und Lageberichte 2020 und 2019 der ADLER Real Estate Aktiengesellschaft dauern noch an.

Stand: 22.6.2022

KatjaFohrer

Ansprechpartner

Katja Fohrer
Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht

Email: fohrer@mattil.de

Tel.: +49 89 242938-42
Fax: +49 89 242938-45


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