Investionen der Bayerischen Versorgungskammer in US-Immobilienprojekte: Deutschlands größtes Versorgungswerk verzockt dreistellige Millionensumme an Rentengeldern

Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) ist die größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe in Deutschland und eine dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration unmittelbar nachgeordnete staatliche Oberbehörde und das gemeinsame Geschäftsführungsorgan aller Versorgungsanstalten, Art. 6 Abs. 1 des Gesetzes über das öffentliche Versorgungswesen (VersoG). Als gemeinsames Geschäftsführungsorgan von zwölf Altersversorgungseinrichtungen, die Vorsorgeleistungen für ihre Mitglieder und Versicherten erbringen, ist die Versorgungskammer zur Erfüllung des gesetzlichen Auftrags im Interesse der von ihr verwalteten Versorgungseinrichtungen verpflichtet, die von den Mitgliedern eingenommenen (Pflicht-)Beiträge rentierlich am Kapitalmarkt anzulegen1.

In letzter Zeit erscheinen fortlaufend Berichte in den Medien über verlustreiche Geschäfte der BVK in den USA. Im Mittelpunkt stehen dabei Investitionen in Projekte des Projektentwicklers Michael Shvo, bei dem es sich – verschiedenen Medienberichten zufolge – um einen verurteilten Steuerbetrüger handeln soll. Hinzu kommt, dass die Versorgungskammer in mehrere Rechtsstreitigkeiten in den USA verwickelt sein soll.

Auch der Bayerische Landtag beschäftigte sich mit dieser brisanten Thematik. Auf eine schriftliche Anfrage der Abgeordneten Herr Tim Pargent und Frau Julia Post (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) antwortete das Staatsministerium des Inneren, für Sport und Integration, dass die Versorgungskammer mitgeteilt habe, dass per 31.12.2023 das im Rahmen von Zielfondsinvestments mit der Deutsche Finance Group und dem von der Deutsche Finance Group beauftragten Projektentwickler SHVO investierte Eigenkapital in verschiedene Projekte in Nordamerika rund 611 Millionen Euro betragen habe. Inzwischen ist jedoch von einem investierten Eigenkaptal von rund 820 Millionen Euro die Rede. Auch in einem Interview der WELT AM SONNTAG mit Herrn Uttenreuther, dem Vorstandsvorsitzenden der BVK, wird die Höhe dieser Investments mit mehr als 800 Millionen Euro beziffert. Zudem räumte Herr Uttenreuther auch ein, dass Compliance-Verstöße und Hinweise auf ein nicht angemessenes Näheverhältnis festgestellt worden seien und es bei den US-Immobilienprojekten zu Verlusten kommen werde.

Die Höhe der Verluste? Die AZ schreibt in ihrem Artikel vom 18.09.2025, dass aus einer Landtagsanfrage von Herrn Florian von Brunn hervorgehe, dass 163 Millionen Euro bereits abgeschrieben worden seien. Auf Nachfrage der AZ habe die BVK überdies mitgeteilt, dass weitere Wertberichtigungen nicht ausgeschlossen werden könnten. Das Ende der Fahnenstange scheint also noch nicht erreicht zu sein! Erschwerend kommt hinzu, dass die BVK von einem früheren Geschäftspartner von Herrn Shvo gewarnt worden sein soll.

Aufgrund der beunruhigenden Medienberichte, der unklaren Sachlage und der Höhe der Verluste haben wir der Bayerischen Versorgungskammer einen Fragenkatalog mit der Bitte um ausführliche Stellungnahme zugesandt. Wir möchten erfahren, ob die BVK gegenüber der  Deutsche Finance Group Ansprüche angemeldet und verjährungshemmende Maßnahmen ergriffen hat. Wir haben auch gefragt, wie vielen Klagen die BVK aktuell in den USA ausgesetzt ist und wie hoch die Schadensersatzforderungen sind. Eine Antwort der Versorgungskammer? Fehlanzeige!

Es kann nicht hingenommen werden, dass die Bayerische Versorgungskammer Rentengelder durch riskante Investitionen in US-Immobilienprojekte verzockt. Das gesamte Ausmaß des Schadens und die Auswirkung auf die Renten ist nicht absehbar!

Die Kanzlei MATTIL & KOLLEGEN prüft alle in Betracht kommenden Ansprüche. Die Hinhaltetaktik der Versorgungskammer ist inakzeptabel! Wir werden nicht zulassen, dass Millionenverluste von Rentengeldern totgeschwiegen werden.


Antwort des Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Tim Pargent und Julia Post (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN); Drucksache 19/3779, S. 4)

PeterMattil

Ansprechpartner

PeterMattil
Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

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